Ein Probensamstag im Park – kein Spaziergang, trotzdem lohnenswert

Es ist Samstag, das Wetter ist schön, und unsere Regisseurin Andrea und wir vier Spieler sind auf der Bühne im Park verabredet. Heute wollen wir unser Stück „Verleih nie deinen Ehemann“ mal etwas ausführlicher als in den an Wochenabenden möglichen zwei Stunden proben. Wenn man nicht schon einen Arbeitstag hinter sich hat, ist die Konzentration eben doch eine ganz andere – so hoffen wir wenigstens.
 
Die Stimmung ist gut, als wir uns um die Mittagszeit treffen. Jeder freut sich über die Gelegenheit, auf der eigentlichen Bühne zu proben; das hat doch gleich ein ganz anderes Flair! Mit einem kleinen Gläschen Sekt vorweg wird eventuellen Kreislaufschwächen gleich entgegengewirkt, bevor es auch gleich in die Aufwärmphase geht. Wobei die Sonne so sticht, dass wir erst einmal in den Schatten flüchten müssen. Trotzdem tropft bei den Übungen zur Lockerheit und Konzentration schon der erste Schweiß – dabei geht es dann erst richtig los!
 
Neben der Regisseurin sind diesmal auch einige weitere Vereinsmitglieder als kritische Zuschauer dabei. Wir merken auch gleich, dass die vergrößerte Anzahl an Zuschauern mehr Nervosität bewirkt: Text, der vor drei Tagen noch saß, scheint wie weggeblasen; die Frage, wer wann wo steht, wird immer wieder neu erörtert, und was im Vorfeld in einem kleinen Übungsraum gut ablief, ist auf der richtigen Bühne ganz anders und muss angepasst werden.
 
Das Ganze ist bei allem Spaß also auch ernsthafte Arbeit: Wie kann man seine Rolle authentisch darstellen, wie wirkt das Spiel überzeugend? Natürlich wollen wir nicht nur unseren Text heruntersagen, sondern eine Handlung auf die Bühne bringen, die die Zuschauer in ihren Bann schlägt.
 
Wer vorher gedacht hatte, der Text ist im Kopf und der Rest ist ein Kinderspiel, wird in dieser Probe eines Besseren belehrt. Jetzt beginnt die eigentliche Aufgabe erst! Es wird gestellt, szenenweise gespielt, danach besprochen und neu probiert. Nach vier Stunden sind wir Spieler wie durch den Bach gezogen, während die Zuschauer aufgrund der mittlerweile deutlich abgekühlten Temperaturen vor sich hinbibbern. Wie gut, dass jetzt zum runden Abschluss ein Highlight auf uns wartet, das früher ganz selbstverständlich war, aber seit über einem Jahr ausfallen musste: Das gemeinsame Abschlussessen! Wir sind zwar geschafft, aber glücklich, dass das Zusammensein wieder möglich ist!
 
Der eigentliche Lerneffekt dieser Samstagsprobe zeigt sich beim nächsten regulären Probenabend: Wir haben viel mehr verstanden, wie die Darstellung beim Zuschauer ankommt, und wie wir unsere Rollen noch besser ausspielen können. Es sind neue Ideen entstanden, die unser Spiel sehr beleben. Das merken wir selbst, was die Spielfreude noch einmal enorm steigert. Auch die Regisseurin ist zufrieden, weil sie sieht, wieviel der Wochenendeinsatz gebracht hat, und wirft uns beseelt Kusshände auf die Bühne. Noch haben wir zwei Monate vor uns, aber so kann es weitergehen!